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Liebe Gemeinde,
wer in diesen Wochen fremde Länder und Städte besucht, wird dort oft tief beeindruckt: Eine Marktfrau spricht neben ihrem Geschäft noch ein paar freundliche Worte, eine Kassiererin am Museum verweist auf einen touristischen 'Geheimtipp' in der Umgebung, und eine Familie lädt auf einen Kaffee nach Hause ein. Umgekehrt besuchen in diesem Jahr viele Sachsen als Urlaubsregion. Das Erzgebirge und die Oberlausitz, die Landeshauptstadt, Leipzig oder Mittelsachsen rufen viele Menschen auch nach Chemnitz. Nur: Wie mag es uns ergehen, wenn Fremde zu uns stoßen? Lassen wir uns auf die Gäste ein und werden sie uns gar zu Freunden?

"Vergesst die Gastfreundschaft nicht; durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt".
So ermuntert uns der Spruch für den Monat Juni (Hebr 13,2).

Der Schreiber des Briefes traut zunächst jedem ein offenes Herz anderen gegenüber zu. Und doch kennt er Momente, in denen unsere gute Gesinnung über Gäste verschwinden kann: Mag es 'allein' deren fremde Sprache oder Dialekt sein? Oder verweist deren Modestil darauf, dass Hinzugekommene womöglich doch nicht, 'ins Bild passen'? Vielleicht sind es aber auch politische Ansichten, die so ganz anderes als der Mainstream hierzulande sind? Der Schreiber des Hebräerbriefes sieht in allen Unterschiedlichkeiten jedoch nichts, was trennt. Indem er in den Gästen "Engel" erkennt, spricht er ihnen grundsätzlich eine angemessene Ehre zu. Damit vertraut er auf deren Erfahrungswelt: Auch die Gäste lebten doch bisher erfolgreich ihr Leben – nur eben in anderer Umgebung. An unserem, nun gemeinsamen Ort vermögen uns darum deren Gedanken und Prägungen, einen 'zweiten Blick' auf die Mode oder die Politik zu schenken. Im Ganzen gesehen verhindert Gastfreundschaft, dass wir Fremde gleich aufgrund unserer Wahrheiten zu verändern versuchen. In diesem Sinne geht es nicht darum unvorsichtig zu sein oder die eigene Meinung zu verstecken. Sondern es geht darum, sich gegenseitig zu ehren – es geht um den Zuspruch von Vertrauen: Du, o Fremder, bist es mir wert, dass ich nach dir ehrlich, – also 'der Ehre gleich' frage. Und ich bin es mir wert, dass ich mich für eine andere Wirklichkeit öffne. Aus solchen wechselseitigen Prozessen erwächst oft Segen. Da erfahren bei uns Gäste das, was wir von anderswoher gern mit nach Hause nehmen. Doch auch wir erkennen Neues über unser Land und unsere Kultur, über unsere Kirche und uns selbst. Und vielleicht spüren wir am Ende dieser Fahrt, dass einer ganz dicht mit dabei war – Gott.
Solche segensreichen Erfahrungen in dieser Sommer– und Urlaubszeit wünscht Ihnen im Namen des gesamten Kirchenvorstandes.

Ihr Pfarrer Jan Schober


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